Arthrose: Mythos oder Fakt?
Über Gelenkerkrankungen kursieren zahlreiche Halbwahrheiten und veraltete Annahmen. Wir unterziehen die gängigsten Mythen einem wissenschaftlichen Fakten-Check nach aktuellen Leitlinien.
Medizinische Einordnung: Knorpel besitzt keine Blutgefäße und ernährt sich nur durch den Wechsel aus Be- und Entlastung. Schont man das Gelenk dauerhaft, dünnt der Knorpel noch schneller aus und die stabilisierende Muskulatur verkümmert. Dosierte, gelenkschonende Bewegung ist das wirksamste Medikament.
Medizinische Einordnung: Der Begriff Verschleiß blendet biologische Prozesse völlig aus. Arthrose ist ein komplexes Geschehen, an dem Entzündungsmediatoren, Knochenstoffwechsel, Muskelkoordination und biochemische Botenstoffe beteiligt sind. Knorpelzellen sind lebendige Zellen, die auf Reize reagieren.
Medizinische Einordnung: Sportarten mit geringer Stoßbelastung (Radfahren, Schwimmen, Walking, kontrolliertes Krafttraining) sind ausdrücklich angeraten. Verboten sind lediglich Kontaktsportarten und Sport mit harten Landungen oder Stop-and-Go-Bewegungen bei fortgeschrittenen Schäden.
Medizinische Einordnung: Es gibt eine erstaunlich schwache Korrelation zwischen Röntgenbild und Schmerzempfinden. Viele Menschen mit schwerer Knorpelverschmälerung sind beschwerdefrei, weil sie eine kräftige Muskulatur und ein schmerzfreies Umfeld besitzen. Der Knorpel selbst besitzt keine Schmerznerven.
Medizinische Einordnung: Viele Patienten kommen über Jahre oder Jahrzehnte hervorragend mit konservativen Maßnahmen wie gezielter Bewegungstherapie, Einlagen, Gewichtsoptimierung und Alltagsanpassungen zurecht. Ein Gelenkersatz ist nur dann sinnvoll, wenn der Leidensdruck trotz aller Ausschöpfung konservativer Therapien unerträglich wird.
Medizinische Einordnung: Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Kapseln mit Glucosamin, Chondroitin oder Kollagen zerstörten Knorpel nachwachsen lassen. Fachgesellschaften und Verbraucherzentralen raten von entsprechenden Werbeversprechen ab.